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The Lemonheads (1.5.2012)

Der erste Mai füllt Hamburgs Straßen und Plätze mit Menschen. Mitunter führt der Gemeinschaftstag gegen Abend aber auch in den Bunker – auf dem Heiligengeistfeld -, um dort das zwanzigjährige Jubiläum des Albums It's A Shame About Ray der Lemonheads zu zelebrieren. Bevor dies tatsächlich realisiert wird, fegt noch Irrsinns-Rock über die Bühne: Swearing At Motorists kombinieren Klamauk und kurioses Songwriting. Das Duo löst die schwierige Situation bravourös. Nichts ist peinlich oder zu albern. Keine Marotte wird ausgelassen. Und schließlich, innerhalb von lediglich knapp dreißig Minuten, gewinnt es die Sympathien des zuvor distanzierten Publikums. Vom ungläubigen Auslachen zu Konzertbeginn - eingangs wird die ferne Mutti per Handy angerufen, um endlich zu begreifen, dass ihr Sohn eventuell doch kein Spinner ist und daraufhin markiert eine NWA-Interpretation das musikalische Verwirrspiel -, bis zum freundlichen Schlussapplaus bedarf es nur weniger Eskapaden, Anekdoten und Sprüche – samt HSV-Schmähungen.

Während die Vorgruppe also wortreich und leicht überdreht ausgiebig mit dem Publikum kommuniziert, bleibt dies anschließend aus. Mit einem trüben Hallo leitet Evan Dando das erste Lemonheads-Set ein. Nach ein wenig Verzerrerlärm reiht das Trio Songs des Jubiläumsalbums aneinander. Keine Ansagen, kein bandinterner Austausch. Lieblos, mäßig gut aufeinander abgestimmt und kraftlos erklingen Lieblingslieder aus einer weit zurückliegenden Zeit. Als wäre es eine Strafe, welche die Amerikaner erleiden müssten, huschen sie möglichst flott und widerstandslos durch das Werk. Zudem spielen sie durchaus schlampig und unpräzise.

Allen voran der letzte Verbliebene der dereinst großartigen Lemonheads: Evan Dando. Gezeichnet von einem medial reißerisch aufbereiteten Rockstarleben, der dann auch lieber dem Beamer entgegen blinzelt oder mit fast geschlossenen Augen in die Leere starrt, statt ins Publikum zu schauen, hat er Mühe mit dem hundertfach dargebotenen Material. Erschöpft erscheint Dando, vor allem die Stimme hat gelitten. Oder die über Jahrzehnte etablierte Coolness hat ihn geradezu gelähmt zurückgelassen. Wie ein ehemaliger Indie-Pop-Prinz auf Valium schleicht er durch seine Songs. Mitunter wirkt er bisweilen so ferngelenkt und leer wie Ozzy. Konsequenterweise verzichten die Lemonheads auf die Aufführung von ihrer Version des Simon And Garfunkel-Hits Mrs Robinson. Damit endet das erste Set nach neunundzwanzig ernüchternden Minuten mit dem allein dargebotenen, hippiesken Stück Frank Mills, a-capella schlurig vorgetragen.

Drummer und Bassist kehren dann auch vorerst nicht zurück. Dando lässt sich die Westerngitarre stimmen, schubbert unkonzentriert über die Saiten und nuschelt die Texte dazu. Ein paar feine Liedchen biegt er gerade noch um. Das Publikum ist dankbar für Outdoor Type, It's About Time, All My Life und sogar Frying Pan. Doch mehr ist auch wirklich nicht zu ertragen. Evan Dando hat wohl kurz vor der Selbstaufgabe und -zerstörung die Kurve noch gekriegt, seine musikalischen Fertigkeiten indes eher nicht. It's A Shame About Evan.

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