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WIXIW

Liars

WIXIW

LabelMute
VertriebGoodtogo
VÖ-Datum8.6.2012

Was brodelt wohl im Dreigestirn? Was kocht unter den Großhirnrinden namens Angus, Aaron und Julian? Kreativität ist genauso unergründlich wie unberechenbar. Bei den einen reicht's grade mal zum Schmalspurpop und bei den Liars muss es mit jedem Mal was anderes sein. Und alleine deshalb hatte es irgendwann passieren müssen, dass das Experimentierfeld, der Spielplatz Rockmusik, abgeschrieben wird. Die 2012er Liars sind Elektro und entzerren sich selbst - und alle Zeit um sich herum. Dahinter steckt vor allem eines: gähnende Langeweile.

WIXIW (Wish You) wabert und wabert und wabert und wabert. Beinahe ständig. Ausnahmen bestätigen die Regel und sind ein Segen für Ohren und müde flatternde Augenlider. Was im ersten Moment (und zwischendurch ja auch immer wieder) nach einem ambitionierten Elektro-Noise-Experiment klingt, wird nach und nach zur Geduldsprobe. Einer atmosphärisch hochwertigen Geduldsprobe zwar, doch das macht das Ganze am Ende auch nicht besser. Das Trio tritt musikalisch so lange auf der Stelle, dass man die Fußabdrücke im Beton ausmachen kann. Die elektronische Dauerdiät aus mystisch angelegten Synth-Flächen und Minimal-Gefitzel wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich. Songs wie Octagon und The Exact Colour Of Doubt erscheinen beinah wie groß aufgezogene Loops. Angus Andrews leiernder Singsang steigert die Penetranz der fehlenden Spannungsbögen.

Schließlich...nein! Endlich (!) durchbricht No.1 Against The Rush die scheinbar unendliche Sehnsucht nach ein wenig Dynamik. Wavig, düster und mit entrückter Pophaftigkeit schwebt die Single des Albums im Raum und entschädigt voll für die vohergehende Flutwelle Brooklyn'scher Hipster-Avantgarde. Danach wird's insgesamt besser, auch wenn Angus' Gesang selbst nur wenig Anteil daran hat. Die fast omnipräsente Kraftlosigkeit der Stimme mag manchem überzeitgemäßem Szeneknaben möglicherweise als künstlerisches Statement herhalten. Wenn damit jedoch oft nichts anderes als blanke Emotionslosigkeit einhergeht, gewinnt man damit keinen Blumentopf.

Im Verlaufe kommt es trotzdem immer wieder zu Höhepunkten. His And Mine Sensations beispielsweise ist wunderbar spacig komponiert und immer wieder ist auch die Auswahl der Sound liebevoll und originell getroffen worden. Flood To Flood und Brats holen glücklicherweise dann doch noch mal die Noise-Keule heraus und mit Annual Moon Words zum Abschluss des Albums wird noch einmal schräg und beinah balladesk.

Trotzdem haben sich Liars mit WIXIW wohl mehr als nur ein bisschen verhoben. Trendführende Meinungsmacher aus dem englischsprachigen Raum werden da zwar widersprechen, doch - wie es seinerzeit schon mit so vielen New Yorker-Hip-Kapellen der Fall war - nicht alles toll, nur weil man dazu gut 'nen Jutebeutel tragen  kann. Im Falle der Liars tut das ein bisschen mehr weh, ruft man sich großartige Songs wie Scissor ins Gedächtnis. Doch vielleicht war der Ausflug in die Welt der Elektronik ja wirklich nur ein Ausflug. Ansonsten gilt es an der Herausforderung noch zu wachsen.

 

Tracklist:
  1. The Exact Colour Of Doubt
  2. Octagon
  3. No. 1 Against The Rush
  4. A Ring On Every Finger
  5. Ill Valley Prodigies
  6. WIXIW
  7. His And Mine Sensations
  8. Flood To Flood
  9. Who Is The Hunter
  10. Brats
  11. Annual Moon Words
Highlights:

No. 1 Against The Rush, Brats

Unsere Bewertung:
5 von 10
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