Bigsize

Album der Woche

Queens Of The Stone Age
...Like Clockwork

Die alten Männer und das "mehr"

The Electric Age

Overkill

The Electric Age

LabelNuclear Blast
VertriebWarner
VÖ-Datum30.3.2012

Es ist beängstigend, was die Ehrwürdigen der amerikanischen Thrashmetal-Garde auf ihre fortgeschrittenen Tage so alles auf die graubehaarten Beine stellen. Gerade erst rotzt Anthrax mit Worship Music mal eben ein Album auf den Asphalt, das dem Nachwuchs vor lauter Wucht fast die Mecke von der Birne schmort. Da kommt schon das nächste Geschoss um die Ecke gefegt. Dass das nicht weniger legendär ist, führen uns täglich zehn - ach was, hunderttausende Kutten auf der ganzen Welt vor Augen. Ja, bekämen Bobby "Blitz" Ellsworth und D. D. Verni einen Euro für jeden aufgenähten Overkill-Patch, das nächste Album wäre wohl dicke finanziert. Wenn das dann auch noch ansatzweise The Electric Age das Wasser reicht, ist es wohl endgültig an der Zeit, Overkill das Denkmal zu errichten, dass sie seit mindestens 25 Jahren verdienen.

Dabei lag die Messlatte eh schon schwindelerregend hoch. Ein Monster wie den Vorgänger Ironbound steckt man auch dann nicht so ohne Weiteres in die Tasche, wenn man es selbst von der Kette gelassen hat. Dass beim nächsten Versuch aber gleich ein beinahe ebenbürtiges Ungetüm auf die Menschheit lauern würde, darauf haben viele gehofft, doch haben längst nicht alle auch damit gerechnet.

Vom ersten Takt an scheint The Electric Age kein anderes Ziel zu verfolgen, als wirklich jedem in den Helm zu stanzen, mit welcher Legende wir es hier zu tun haben. Ist das soweit klargeworden, arbeiten die Jersey Boys konsequent daran, uns den Schmalz aus den Ohren zu blasen. Präzise wie ein heißgelaufenes Uhrwerk knüppelt das Quintett los und denkt erst dann an eine Atempause, wenn der Hörer sich den dritten Nackenwirbel angebrochen hat. Riffing und Rhythmusgruppe sind so unglaublich rasend wie tight. Die Produktion bollert so mächtig, dass die Zimmerdecke bröckelt. Ab Song Nummer zwei gehen einem dann irgendwann die geistreichen Vergleiche aus, die Kinnlade klappt runter und wir lassen sie klappen. Wie kann es auch anders sein!?

Die Qualität und Kompromisslosigkeit jedes einzelnen Solos, das goldrichtige Verhältnis von Thrashmetal-Wahnsinn, Groove und Melodie, das überragende Organ von Ellsworth, der konstante Druck nach Vorne. All das macht The Electric Age zu einer Achterbahnfahrt, die mehr als 50 Minuten wie ein kurzes Augenzwinkern erscheinen lassen. Kurzum: The Electric Age ist ein höllisch gutes Album, das Overkill erneut als Band dokumentiert, deren wahnwitziges Potential an Spielwut, Kreativität, Energie und Können die internationale Metalwelt mit links erblassen lässt.

 

Tracklist:
  1. Come And Get It
  2. Electric Rattlesnake
  3. Wish You Were Dead
  4. Black Daze
  5. Save Yourself
  6. Drop The Hammer
  7. 21st Century Man
  8. Old Wounds New Scars
  9. All Over But The Shouting
  10. Good Night
Unsere Bewertung:
8 von 10
Skyscraper